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Bonhoeffers Einfluss auf Jüngerschaft und seine Erfahrungen in Finkenwalde

Dietrich Bonhoeffer war nicht nur ein brillanter Theologe, sondern vor allem ein Mann der gelebten Nachfolge. Besonders seine Zeit in Finkenwalde prägte sein Verständnis von Jüngerschaft und zeigt uns bis heute, was es bedeutet, Jesus kompromisslos nachzufolgen.




Finkenwalde – Ein Labor der Jüngerschaft

Zwischen 1935 und 1937 leitete Bonhoeffer das Predigerseminar der Bekennenden Kirche in Finkenwalde. Doch dieses Seminar war weit mehr als eine theologische Ausbildungsstätte – es war eine Gemeinschaft, in der der Glaube aktiv gelebt wurde.


Drei Grundpfeiler prägten Finkenwalde:


  • Glaubensstärkung: Der Tagesablauf war durchzogen von Gebet, Meditation, Gesang und Andacht. Es ging darum, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern den Glauben zu verankern.

  • Geistliche Disziplin: Jüngerschaft bedeutete für Bonhoeffer, dass der Glaube nicht nur Theorie ist, sondern das gesamte Leben durchdringen muss.

  • Gemeinschaft: Finkenwalde war ein Ort des gemeinsamen Lebens, Lernens und Leidens. Hier wurde Nachfolge konkret erfahrbar.


Diese Prinzipien machten Finkenwalde zu einem einzigartigen Experiment der Nachfolge in einer Zeit, in der der christliche Glaube zunehmend unter Druck geriet.


Eine Schule der radikalen Nachfolge

Bonhoeffer hatte eine klare Vision: Er wollte eine Generation von Pastoren ausbilden, die dem Nazi-Regime nicht nur intellektuell, sondern auch geistlich widerstehen konnten. Er sprach von einem "neuen Mönchtum" – einer kompromisslosen Nachfolge, die das ganze Leben umspannt.


Die Ausbildung in Finkenwalde war daher nicht nur akademisch, sondern vor allem praktisch:


  • Tägliche geistliche Übungen: Gebet, Bibellesen und Meditation bildeten das Fundament.

  • Theologische Tiefe: Die Studenten sollten lernen, den Glauben nicht nur zu verteidigen, sondern ihn zu verkörpern.

  • Vorbereitung auf Leiden: Bonhoeffer war sich bewusst, dass wahre Jüngerschaft Opfer fordert. In seinem Buch Nachfolge schrieb er: "Wenn Christus einen Menschen ruft, dann ruft er ihn, um zu sterben."


Diese Vision von Nachfolge war radikal – und für viele herausfordernd. Doch sie legte den Grundstein für eine tief verwurzelte, gelebte Theologie.


Jüngerschaft als Widerstand

Finkenwalde existierte nicht im luftleeren Raum. Die Bekennende Kirche war dem NS-Regime ein Dorn im Auge, und Bonhoeffers Wirken wurde streng überwacht. 1937 wurde das Seminar gewaltsam geschlossen. Doch Bonhoeffer wusste: Wahre Jüngerschaft zeigt sich gerade im Widerstand gegen das Unrecht.


Was wir daraus lernen können:


  • Glaube braucht Standhaftigkeit: Nachfolge ist nicht bequem. Sie bedeutet, auch unter Druck treu zu bleiben.

  • Mut und Opferbereitschaft: Bonhoeffer wusste, dass Jüngerschaft einen Preis hat – und er war bereit, diesen zu zahlen.

  • Die Kraft der Gemeinschaft: Gerade in schweren Zeiten braucht es eine starke geistliche Familie.


Diese Prinzipien begleiteten Bonhoeffer bis zu seinem Märtyrertod. Er lebte vor, dass Jüngerschaft nicht in Bequemlichkeit existiert, sondern im aktiven, mutigen Handeln.


Das Erbe von Finkenwalde

Obwohl das Seminar geschlossen wurde, lebte seine Botschaft weiter. Viele Prinzipien von Finkenwalde fanden Eingang in Bonhoeffers Buch Gemeinsames Leben. Die dort praktizierte gelebte Gemeinschaft wurde zur Grundlage seiner Theologie und half ihm, selbst in den dunkelsten Stunden des Gefängnisses standzuhalten.


Drei Lektionen für uns heute:


  1. Jüngerschaft ist ganzheitlich – sie betrifft unser Denken, Fühlen und Handeln.

  2. Glaube muss praktisch sein – wir sind berufen, das Evangelium im Alltag zu leben.

  3. Gemeinschaft ist essenziell – wir können den Weg der Nachfolge nicht allein gehen.


Ein Aufruf zur heutigen Jüngerschaft

Bonhoeffers Erlebnisse in Finkenwalde sind nicht nur Geschichte. Sie stellen uns eine Frage, die heute genauso aktuell ist:


Sind wir bereit, Jüngerschaft kompromisslos zu leben?


  • Wie sieht eine gelebte Jüngerschaft in unserer heutigen Zeit aus?

  • Wo fordert uns Gott heraus, mutig unseren Glauben zu bezeugen?

  • Welche Gemeinschaften brauchen wir, um im Glauben zu wachsen?


Finkenwalde war ein Labor der Nachfolge – und wir sind heute eingeladen, diesen Geist weiterzutragen. Bonhoeffer zeigte uns, dass wahre Jüngerschaft Mut erfordert, aber auch eine tiefe, unerschütterliche Freude mit sich bringt.


 

Quelle für den Artikel: Belcher, Jim. In Search of Deep Faith: A Pilgrimage into the Beauty, Goodness, and Heart of Christianity. IVP Books, 2013.


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